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Neuigkeiten über die Künstler und Veranstaltungen

Wolters Magdanz

Sehenswertes Finale vor der Winterpause

Nach dem dritten Advent verabschiedet sich das Kunst- und Kulturzentrum der StädteRegion Aachen bis zur nächsten Saison – Jetzt noch 130 Werke von Max Scheler bei freiem Eintritt erleben

Stammgäste kennen die Tradition bereits: Kurz vor Weihnachten gehen im Kunst- und Kulturzentrum (KuK) der StädteRegion Aachen die Lichter aus – und bleiben es bis zum Auftakt der nächsten Ausstellungssaison. Vorfreude ist aber bekanntlich die schönste Freude, daher dürfen sich Fans schon mal den 17. Februar 2019 dick im Kalender ankreuzen: An dem Sonntag fällt um 12 Uhr mit einer öffentlichen Vernissage der Startschuss für das KuK-Jahresprogramm 2019. Auch dieses konzentriert sich wieder auf den Schwerpunkt Fotografie. Welche hochkarätigen Künstler ihre Werke im kommenden Jahr in Monschau präsentieren, verrät der neue KuK-Flyer demnächst.
Dass noch bis Sonntag, 16. Dezember, Momentaufnahmen der Zeitgeschichte in dem historischen Gebäude an der Austraße 9 in Monschau die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist hingegen so bekannt wie beeindruckend: Fotografien aus Deutschland, China und den USA, vornehmlich aus den 1950ern und 60ern, zeigen populäre Persönlichkeiten wie Konrad Adenauer, Willy Brandt, Martin Luther King, Richard Nixon, Jackie Kennedy, Elisabeth Taylor und Helena Rubinstein in Schwarz-Weiß. Der Erschaffer dieser Arbeiten ist kein Geringerer als Max Scheler (1928-2003). Der in Köln geborene Fotograf und Bildjournalist, dessen Mentor Herbert List ihm seinen Nachlass überließ, wurde vom „Magnum“-Mitgründer Robert Capa persönlich für die nach wie vor in Paris ansässige Agentur gewonnen und prägte später über lange Jahre hinweg die Bildsprache des „Stern“. Auf den zwei unteren Etagen des KuK können Besucher bis zum dritten Advent rund 130 Arbeiten von Max Scheler bei freiem Eintritt in Augenschein nehmen.

Wolters Magdanz
Ausstellung von Andreas Magdanz im Kabinett des KuK Monschau, 25.11.-16.12.2018

Eine der ersten groß angelegten, professionell realisierten Fotoserien von Andreas Magdanz beschäftigte sich 1995 mit den zum Untergang verurteilten Dörfern und den landschaftlichen Zerstörungen des Braunkohlebergbaus in Garzweiler.
2000 folgte die mit einer opulenten Buchveröffentlichung verbundene Dokumentation der bis dahin streng geheimen Atombunkeranlage der Bundesregierung, „Dienststelle Mariental“. Dieser gigantische Schutzraum für die damaligen Eliten gehört zu den bizarrsten Bauwerken, die sich bundesrepublikanische Gehirne bislang ausgedacht haben. In ihren geradezu biblischen Dimensionen und ihrer archaischen Verdrängung des Todes scheint es mir angemessen, die magische Aura dieser labyrinthische Unterwelt mit der esoterischen Aura antiker Pyramiden zu vergleichen. Im Gegensatz zu dieser existenziellen Tiefe steht die geradezu rührende Bemühung der Erbauer um sowohl moderne als auch behagliche »Gemütlichkeit«. Dieses visuelle Spannungsfeld macht Marienthal zum ästhetischen Juwel bundesdeutscher Kleinbürgerlichkeit. Für die Nachwelt ist der gewichtige Prachtband von ganz besonderem Wert, da die Anlage Anfang der 2000er Jahre für 80 Millionen Euro »zurückgebaut«, sprich, zerstört wurde.
Magdanz’ nächstes Projekt, ein Fotoband über Auschwitz-Birkenau, grenzt fast schon an ein Wunder. Das genial provokante Cover zeigt ein Gänseblümchenfeld (sic), was aber keinesfalls ironisch verstanden werden darf. In den wunderschönen, nichts beschönigenden Aufnahmen gelingt dem Fotografen ein Kunststück, das man eigentlich für unmöglich halten würde. Trotz des zwischen den Zeilen überall herauslesbaren Bewusstseins, dass man als Deutscher, wenn von Versöhnung die Rede ist, besser den Mund hält, redet und flüstert das Buch auf eine unglaublich behutsame Art eben genau davon. Indem er nichts arrangiert, nichts ästhetisiert oder beklagt, lässt Magdanz eine alles überwuchernde Natur für sich selber sprechen. Das ist aber, an den Maßstäben des Buches gemessen, schon zu viel und zu platt gesagt. Hier gibt es nichts zu sagen, sondern nur zu schauen.
In den beiden folgenden Projekten »BND-Standort Pullach« und »Stuttgart Stammheim« besucht Magdanz zwei weitere Unorte bundesdeutscher Vergangenheit, die er ebenso unbestechlich, technisch aufwendig und generalstabsmäßig untersucht, wie man es inzwischen von ihm erwartet.

Johanna Reich: Rosa & Rosa LuxemburgRebellen, Malschweine und das Verschwinden des Internet

Ein Gespräch mit Johanna Reich zu ihrer Ausstellung »Resistance« im Kabinett des KuK vom 28.10.-18.11.

In ihrer Fotoserie »Resistance« befragt Johanna Reich Jugendliche aus zehn verschiedenen deutschen Städten im Alter zwischen 14 und 22 Jahren, welche Bedeutung für sie der Begriff »Resitance« in der heutigen Zeit hat und ob es für sie Idole des Widerstands gibt, mit denen sie sich identifizieren können.
Daeas Bild des so ermittelten Widerständlers, Freiheitskämpfers oder Rebellen projiziert Reich auf das Gesicht des jeweiligen Jugendlichen und macht davon ein Foto. Die so entstandenen hybriden Physiognomien sind malerisch reizvoll und bieten Einblicke in das fragmentierte Wesen der Psyche, deren Anmutung an die explodierenden Gesichter des Malers Francis Bacon erinnert. Während bei Bacon die ultimative Verlassenheit des ins Absurde geworfenen Subjekts im Vordergrund stand, sieht Reich die Sache wesentlich versöhnlicher. Einer jüngeren Generation als Bacon angehörend, ist sie mit postmoderner Simulationsmodellen von Ich und Welt aufgewachsen und kann multiple, in digitalen Spiegelwelten pulverisierte Identitäten, in aller Ruhe untersuchen, ohne dies dramatisieren zu müssen.

Vor drei Jahren hattest du mit „Heroines und Amazonen“ (zu sehen auf der SHIFT-Website) ein ganz ähnliches Konzept mit Projektionen auf Gesichter wie jetzt in »Resistance« realisiert.
Lässt es auf einen »Photographers Block« schließen, dass du diesen Ansatz jetzt erneut thematisierst, oder auf einen langen konzeptuellen Atem?

Während des Projekts »Heroines und Amazonen« tauchte bei den Diskussionen mit den Jugendlichen auf Grund der alarmierenden politischen Entwicklung der letzten Jahre immer wieder das Thema Widerstand auf. Es blieb aber nie genug Zeit, alles zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Insofern erwuchs »Resistance« als logische Konsequenz aus dem vorangegangenen Projekt, quasi als Selbstläufer, den ich - nach anfänglichem Zögern - in die Freiheit entließ.

Johanna Reich: Rosa & Rosa Luxemburg
Resistance
Ausstellung von Johanna Reich im Kabinett des KuK Monschau, 28.10.-18.11.2018

„Die Frage, die man mir nun stellte, und zu deren Beantwortung ich hier antrete, lautet: Wo beginnt Widerstand? Sie suggeriert einen neuen Anfang, zu dem ich zurückgehen soll, um ihn aufzuspüren, auf ihn zu zeigen, ihm seine Neuartigkeit zu entreißen. Dieser Punkt müsste also ein Ereignis bezeichnen, von dem ab sich alles verändert. Bis hier her haben wir weggesehen, doch jetzt ist es zu viel. Solange habt ihr uns ausgebeutet, doch jetzt werden wir uns erheben und in unserem Widerstand uns gegen euch stellen. Entweder ein Kampf ums Überleben oder der totale Rückzug, der dem Anderen jeden Zugriff verweigert.“
(Reichert, André: Widerstehen und Werden. In: Hechler, Daniel und Philipps, Axel (Hg.): Widerstand denken: Michel Foucault und die Grenzen der Macht, Bielefeld 2008, S.136.)

Wie sich unsere Welt durch die Digitalisierung verändern wird, können wir immer noch nicht und immer weniger absehen. Die Zeit des Postdigitalen Zeitalters ist im politischen Diskurs durch zwei unterschiedliche Phänomene geprägt: Die Postdemokratie“ und die „Commons“. Der Begriff „Postdemokratie“ steht für die These, dass aufgrund der enormen Ausweitungen digitaler Kommunikation eine scheinbare Demokratie entsteht, bei der sich alle äußern können, aber letztlich doch nur wenige entscheiden. Der Ansatz des „Commons“ hingegen will Beteiligung und Entscheidungen direkt miteinander verbinden und so eine neue Institution entwickeln.
Vor dem Hintergrund einer nicht zu überblickenden Masse von instabilen und bedeutungsoffenen Bezugspunkten, Umbrüchen und Krisen, hinterfragt Johanna Reich, welche Haltung die heutige Generation von Heranwachsenden gegenüber den Themen Macht und Widerstand einnimmt. Im Projekt „Resistance“ befragt sie Jugendliche aus zehn verschiedenen deutschen Städten im Alter zwischen 14 und 22 Jahren, welche Bedeutung für sie der Begriff Widerstand in der heutigen Zeit spielt und ob es für sie Personen aus der Vergangenheit und Gegenwart gibt, mit denen sie sich identifizieren und die für sie wichtige Positionen des Widerstands ausmachen.

 

DieBesitzer4m


Die Besitzer – Irdischer Tand
Ausstellung von Manja Schiefer und Marco Röpke im Kabinett des KuK Monschau, 23.09.-14.10.2018

Die Besitzer - Irdischer Tand 
(Die Dinge des Lebens)

Die sicherste Methode, etwas zu vergessen, ist, es zu fotografieren. Das weiß jeder, der schon mal 3000 Urlaubsfotos auf Nimmerwiedersehen in seiner Festplatte versenkt hat. Der Gegenstand, von dem man, wie es so treffend heißt: ein Foto geschossen hat, wird im Kälteschlaf ewiger Immobilität seines Élan vitals beraubt, um im platzsparend, quadratisch, praktisch, zweidimensionalen Aggregatszustand zu den Akten gelegt zu werden. Geschätzte vier Fünftel des Internet bestehen aus solchen kühlen Grüften des Vergessens.

Diese Tatsache machen sich Manja Schiefer und Marco Röpke zunutze. Ihr Plan, sich von überflüssig gewordenem Plunder ihres Haushalts zu trennen, ist, wie wir alle aus Erfahrung wissen, nicht so leicht umzusetzen. Der Idee einer aufgeräumten, nach den Prinzipien des Feng Shui durchlüfteten Wohnung steht ein ganzen Arsenal von Widrigkeiten entgegen: Prokrastination, Sentimentalität, milde bis mittlere Formen der Geisteskrankheit („Das kann ich noch mal brauchen“) und diese rätselhafte Tendenz der Dinge, fest verschweißt, untrennbar an ihren „Besitzern“ zu kleben. Der weise gewählte Titel der Ausstellung, „Die Besitzer“, weist punktgenau auf die zu klärende Fragestellung des hier zu klärenden Problemkreises hin: Wer ist im Beziehungsgeflecht von Mensch und Gebrauchsgegenstand eigentlich der Besitzer und wer der Besessene?

FlorianBeckers01

„before and after“
Ausstellung von Florian Beckers im Kabinett des KuK Monschau, 18.08.-16.09.2018

EYES WIDE SHUT
Durch die Nacht mit Florian Beckers

Während Hugo Thomassen in seiner soeben zu Ende gegangenen Ausstellung im KuK seine Leidenschaft für das Licht verkündete, flüstern und raunen Florian Beckers Arbeiten in der Folgeausstellung "before and after" von der gespenstischen Schönheit der Dunkelheit. Trotz der klaustrophoben "German Angst", trotz ihrer beklemmenden Leere sind die Arbeiten in ihrer elaborierten Farbigkeit von seltener Schönheit.

Man stelle sich vor: Hätte Hitchcock keine Filme, sondern Fotos gemacht, sähen diese vermutlich ähnlich aus, wie die panisch, poetischen Hymnen von Florian Beckers. Obwohl Sir Alfreds wichtigste Ingredienz einer gelungenen Momentaufnahme fehlt – die (mausetote) Blondine, so verströmen Beckers’ Tatorte die alarmierende Aura eines lupenrein Hitchcock-Suspense.
(David Lynch, der sich ebenfalls zum Vergleich anböte und der sogar tatsächlich Fotos macht, entzieht sich einer Gegenüberstellung, da er prinzipiell nur Bilder von nackten Frauen und Industrieanlagen schießt.)

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