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Hugo 0151

Landscapes shapes and portraits
Ausstellung von Hugo Thomassen im Kabinett des KuK Monschau
08.07.-29.07.2018

Hugo Thomassen hat einen Vertrag mit dem Licht:
So lange er sich jeden Tag ausschließlich mit dem Studium des Wesens und der Erscheinungsformen des Lichts beschäftigt, schenkt ihm dieses dafür den überbordenden Reichtum seiner allerzartesten Abstufungen, die kraftvollsten Kontraste seines antagonistischen Schwarzweiß und das erotisierende Fließen mit dem es die Dinge in einen exquisites Schimmern wie aus Milch taucht.
Da sich bisher beide strikt an diese Abmachung gehalten haben, kann sich der Betrachter von Thomassens preziösen Oberflächen auch in Zukunft ganz entspannt und genießerisch hingeben.

Schon in seinen ersten Experimenten aus Kindertagen mit der ihm geschenkten Agfa Klack betrieb der Fotograf allererste Stilllebenaufnahmen seiner Spielzeuge mit großem Ernst. Mit dem Vater wurden die Aufnahmen in gemeinsamen Diaabenden besprochen, analysiert und kritisiert. Heute ersetzt eine Hasselblad H5D die alte Agfa und statt der Spielzeuge kann sich Hugo Thomassen erlesene Profi-Modelle aus sündhaft teuren Agenturen leisten.
So groß, wie er scheinen mag, ist der Unterschied zwischen damals und heute aber gar nicht. Denn auch wenn Thomassens Flair seiner elaborierten Oberflächen und seine wie von innen leuchtenden Modelle zu den herausragenden Qualitäten seiner Arbeit gehören, ist der Vorgang des Fotografierens für ihn ein durchaus archaischer. Dieser stellt sich ihm im ungeschliffenen „Klack“ der alten Agfa klarer und unverfälschter dar, als im piekfeinen Surren der Hasselblad.

Perfektion betrachtet Thomassen als gefühllos. Statt routiniert geschicktem Composing strebt er Einfachheit an, und obwohl er sich erhobenen Hauptes als Lichtfetischist bezeichnet, arbeitet er am liebsten mit nur einer Lichtquelle. Diese wählt er allerdings so sorgfältig aus und tariert sie so aufwändig aus, dass weniger leidenschaftliche Fotografen in dieser Zeit bereits einen halben Katalog durchfotografiert haben.

In den neuesten Experimenten des Fotografen scheint sich der Kreis von digitaler Perfektion und archaischer Reduzierung auf das Wesentliche endgültig zu schließen: Mit seinen großformatigen Unikaten auf Kollodium-Aluminiumplatten begibt sich Thomassen an die Anfänge der Fotografie und stellt dabei eine technische »Unvollkommenheit« genüsslich heraus: „Diese Aluminiumplatten haben den ISO-Wert von exakt 1*“
Ob sein schlitzohriges Grinsen dabei das des begeisterten knipsenden Dreikäsehochs ist, oder das des mit allen Rafinessen gewaschenen Profis, liegt im Auge des Betrachters.

*Der ISO-Wert gibt die Lichtempfindlichkeit einer Kamera an. Lange waren ISO-Wert vonn 100-200 Standard. Heute übertrumpfen sich die Kamerahersteller mit ISO-Werten von 25.600 und darüber.

Landscapes

Die Tendenz zur Einfachheit zeigt sich auch in Thomassens New Yorker Stadtlandschaften. Bislang riefen diese durch punktgenaue Überlagerung zweier Fotos den Eindruck eines zügellosen Photoshop-Gemetzels, dessen visuelle Wucht die urbane Dystopie einer außer Kontrolle geratenen Megacity evozieren. Inzwischen wirken die neueren Aufnahmen beruhigter, mittels harter Schwarzweißkontraste auf den skulpturalen Kern der Architektur reduziert. Durch die lauernde Dunkelheit des tiefen Schwarz im Vordergrund blickt der Betrachter aus der Perspektive eines Raubtiers oder eines Verstoßenen auf weit entfernte Sehnsuchtsorte gleißenden Lichts, die in ihrer Blendendweißheit geradezu elysische Gefilde heraufbeschwören.

Shapes

In seinen meditativen Stillleben treibt Thomassen die scheinbar einfache Aufgabenstellung in Zeichenkursen für Anfänger zum künstlerischen Exzess. Alles an diesen bescheidenen auftretenden Aufnahmen ist exzessiv: die perfektionistisch aufwändige Beschaffung der Flaschen und Krüge auf zahlreichen Reisen durch Europa, dann die Arbeit selbst, die in endlosen Variationen mit minimalen Veränderungen des Lichts und des Objekts in der einen exemplarischen Aufnahme gipfeln.
„Alles in der Natur modelliert sich nach Kugel, Kegel und Zylinder“, wissen wir seit Cezanne. Aber erst seit Hugo Thomassens spielerischer Umkehrung von Platons Höhlengleichnis wissen wir, dass nicht die primären, von Platon bevorzugten Ideenobjekte das Wahre und Schöne sind, sondern die raffinierten Reflexionen der von ihnen geworfenen Schatten.

Portraits

Um die meditative, in sich ruhende Stille von Hugo Thomassens Frauenportraits zu erzielen, müssen sich seine Modelle den immer gleichen Exerzitien unterziehen:
Gesichtsmuskeln entspannen,
Augen schließen,
Augen öffnen – in diesem Moment schießt Thomassen sein Foto.
Die so entstehende leicht entrückte Noblesse des unerreichbar Kostbaren ist dem Fotografen besonders in seinem beruflichen Umfeld des Luxus und der Moden nützlich. Aber auch in seiner freien Arbeit zeigt die sichtbar gemachte Distanz zu den sie umgebenden Begehrlichkeiten eine achtunggebietende Seite spezifisch weiblicher Verletzbarkeit.

(gb)


 

Hugo Thomassen - Landscapes shapes and portraits
08.07.-29.07.2018

Eine Ausstellung des Projekts SHIFT im Kabinett des KuK Monschau
Eröffnung am Sonntag, 08. Juli 2018 um 12 Uhr.

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 14-17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11-17 Uhr.

Adresse: KuK Kunst- und Kulturzentrum der StädteRegion Aachen, Austraße 9, 52156 Monschau.

 


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