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Wolters Magdanz
Ausstellung von Andreas Magdanz im Kabinett des KuK Monschau, 25.11.-16.12.2018

Eine der ersten groß angelegten, professionell realisierten Fotoserien von Andreas Magdanz beschäftigte sich 1995 mit den zum Untergang verurteilten Dörfern und den landschaftlichen Zerstörungen des Braunkohlebergbaus in Garzweiler.
2000 folgte die mit einer opulenten Buchveröffentlichung verbundene Dokumentation der bis dahin streng geheimen Atombunkeranlage der Bundesregierung, „Dienststelle Mariental“. Dieser gigantische Schutzraum für die damaligen Eliten gehört zu den bizarrsten Bauwerken, die sich bundesrepublikanische Gehirne bislang ausgedacht haben. In ihren geradezu biblischen Dimensionen und ihrer archaischen Verdrängung des Todes scheint es mir angemessen, die magische Aura dieser labyrinthische Unterwelt mit der esoterischen Aura antiker Pyramiden zu vergleichen. Im Gegensatz zu dieser existenziellen Tiefe steht die geradezu rührende Bemühung der Erbauer um sowohl moderne als auch behagliche »Gemütlichkeit«. Dieses visuelle Spannungsfeld macht Marienthal zum ästhetischen Juwel bundesdeutscher Kleinbürgerlichkeit. Für die Nachwelt ist der gewichtige Prachtband von ganz besonderem Wert, da die Anlage Anfang der 2000er Jahre für 80 Millionen Euro »zurückgebaut«, sprich, zerstört wurde.
Magdanz’ nächstes Projekt, ein Fotoband über Auschwitz-Birkenau, grenzt fast schon an ein Wunder. Das genial provokante Cover zeigt ein Gänseblümchenfeld (sic), was aber keinesfalls ironisch verstanden werden darf. In den wunderschönen, nichts beschönigenden Aufnahmen gelingt dem Fotografen ein Kunststück, das man eigentlich für unmöglich halten würde. Trotz des zwischen den Zeilen überall herauslesbaren Bewusstseins, dass man als Deutscher, wenn von Versöhnung die Rede ist, besser den Mund hält, redet und flüstert das Buch auf eine unglaublich behutsame Art eben genau davon. Indem er nichts arrangiert, nichts ästhetisiert oder beklagt, lässt Magdanz eine alles überwuchernde Natur für sich selber sprechen. Das ist aber, an den Maßstäben des Buches gemessen, schon zu viel und zu platt gesagt. Hier gibt es nichts zu sagen, sondern nur zu schauen.
In den beiden folgenden Projekten »BND-Standort Pullach« und »Stuttgart Stammheim« besucht Magdanz zwei weitere Unorte bundesdeutscher Vergangenheit, die er ebenso unbestechlich, technisch aufwendig und generalstabsmäßig untersucht, wie man es inzwischen von ihm erwartet.


Vor ca. vier Jahren schloss sich der Kreis zu seinem oben erwähnten »Garzweiler«-Projekt. Diesmal allerdings mit dem eindeutigen Schwerpunkt auf den Hambacher Forst und der ihn verteidigenden Aktivisten.
Aus dem umfangreichen Bildmaterial, das Magdanz selbst und seine Studenten der HAWK-Hildesheim und der RWTH-Aachen angefertigt haben, dokumentiert die Ausstellung im KuK zwei Werkgruppen:
 Eine Videoarbeit zeigt Drohnenbilder frisch gerodeter Waldstücke „südlich der A4“ (Die A4 galt für die Aktivisten lange Zeit als nicht überschreitbare „rote Linie“.) Die Bilder haben etwas apokalyptisch endzeitmäßiges; nicht zuletzt, weil die Bäume in Eile und deshalb meist unsachgemäß gefällt wurden.

Die zweite Werkgruppe zeigt eine exemplarische Auswahl des Projektes »Hambacher Forst, eine forensische Bestandsaufnahme. 100 Studenten, zwei Hochschulen, 10.000 Bilder«. 
Inspiriert von der mechanisch durchorganisierten Vorgehensweise der Polizei, die in Hundertschaften den Wald zu durchkämmen pflegt, dreht Magdanz den Spieß um und lässt seine Studenten nun in ganz ähnlichen Formationen ebenso systematisch den Hambacher Forst durchkämmen, um »den Zauber dieses ehemals als Sehnsuchtsort der Deutschen beschriebenen Ortes in Bildern kontemplativer Schönheit zu erzählen« (A.M.) 
Die geradezu militärische Vorgehensweise ist genau vorgegeben:
 »Kamera, Stativ auf 1,50 m Höhe, 8-10 m Abstand zueinander und alle 20 m eine Aufnahme. Geschätzte Arbeitszeit, ca. 4-5 Stunden.«
Nach jahrelanger fotografischer Arbeit und kompromisslosem Engagement für die die Umweltschützer und gegen die Interessen von RWE gilt Andreas Magdanz inzwischen deutschlandweit als Experte in Sachen Hambacher Forst, was sich u.a. in zahlreichen Radio- und Fernsehbeiträgen über Magdanz’ Engagement manifestiert. Verschiedene dieser Beiträge z.B. des Deutschlandfunks, des WDR 5 und „Titel, Thesen, Temperamente“ sind auf www.andreasmagdanz.de verlinkt.

Bei oberflächlicher Betrachtung erscheinen die Fotos von Andreas Magdanz vielleicht düster, depressiv und schwer verdaulich. Das Gegenteil ist aber der Fall: Nicht die Arbeit von Magdanz, sondern das Leben ist schwer verdaulich, gesundheitsschädlich und oft schmerzhaft. Magdanz ist ein Perlentaucher, der aus den Tiefen menschlichen Schlamassels Erkenntnisgewinn und ästhetisch beträchtlichen Mehrwert ans Licht holt.
Gabor Baksay

Eine Ausstellung des Projekts SHIFT im Kabinett des KuK Monschau
Eröffnung am Sonntag, 25. November 2018 um 12 Uhr.

Öffnungszeiten:
dienstags bis freitags von 14-17 Uhr sowie
samstags und sonntags von 11-17 Uhr.

KuK Kunst- und Kulturzentrum der StädteRegion Aachen
Austraße 9
52156 Monschau

 


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